- S235JR ist der meistverwendete unlegierte Baustahl Europas mit einer Mindest-Streckgrenze von 235 N/mm².
- S235JR trägt die Werkstoffnummer 1.0038 und entsprach dem alten St 37-2 nach DIN 17100.
- Das „J" steht für eine geprüfte Kerbschlagarbeit, das „R" für Raumtemperatur (+20 °C).
- S235JR ist sehr gut schweißbar mit allen gängigen Verfahren.
- S235JR ist nicht korrosionsbeständig und benötigt einen Oberflächenschutz.
- Die Norm für S235JR ist EN 10025-2 (Warmgewalzte Erzeugnisse aus Baustählen).
S235JR ist auch unter den Bezeichnungen 1.0038 (Werkstoffnummer), St 37-2 (DIN 17100, veraltet), Fe 360 B (Euronorm 25, veraltet), A283-C (ASTM USA) und 1311 (Schweden) bekannt.
Einordnung und typische Einsatzgebiete
S235JR ist der Standard-Baustahl im Stahlbau, Maschinenbau und Anlagenbau und gilt als wirtschaftlicher Allrounder für allgemeine Konstruktionen ohne erhöhte Festigkeitsanforderung. Mit einer Streckgrenze von mindestens 235 N/mm² (bei Dicken bis 16 mm) und einer garantierten Kerbschlagarbeit bei Raumtemperatur deckt der Werkstoff das untere Festigkeits-Segment der unlegierten Baustähle ab.
Typische Anwendungen für S235JR sind Stahlträger und Profile im Hochbau, Hallen- und Industriebau, Maschinenrahmen und -gestelle, Behälter und Apparate ohne Druck, Geländer, Treppen und Bühnen, geschweißte Konstruktionen aller Art sowie Halbzeuge für die zerspanende Fertigung. Wann immer ein günstiger, schweißbarer und ausreichend fester Stahl gebraucht wird, ohne dass besondere Anforderungen an Tieftemperatur, Vergütung oder Korrosion bestehen, ist S235JR die wirtschaftliche Standardwahl.
Eigenschaften im Detail
Die 0,2-Streckgrenze von S235JR liegt bei mindestens 235 N/mm² (Dicken bis 16 mm), die Zugfestigkeit bei 360-510 N/mm², die Bruchdehnung bei mindestens 26 % und die Kerbschlagarbeit bei mindestens 27 J bei +20 °C nach EN 10025-2. Diese Werte gelten für warmgewalzte Erzeugnisse im Anlieferzustand. Bei zunehmender Dicke fallen die Festigkeitswerte staffelweise ab (z. B. ≥ 215 N/mm² bei 40-63 mm).
Die Dichte beträgt 7,85 g/cm³, der E-Modul 210 kN/mm². Die chemische Zusammensetzung umfasst maximal 0,17 % C, 1,40 % Mn, 0,045 % P und 0,045 % S — typisch für unlegierte Baustähle ist das praktische Fehlen von Legierungselementen.
Korrosionsbeständigkeit und Oberflächenschutz
S235JR ist nicht korrosionsbeständig und benötigt für Außenanwendungen einen Oberflächenschutz. Übliche Schutzmaßnahmen sind Feuerverzinken, Pulverbeschichtung, Lackierung oder die Kombination („Duplex"). Im Innenraum ohne Feuchtigkeit ist S235JR praktisch dauerhaft beständig, an feuchten Außenstellen rostet er innerhalb von Wochen. Für korrosionsbelastete Anwendungen sind Edelstähle wie 1.4301 oder bei Witterungsstabilität Wetterfeststähle (Corten) die richtige Wahl.
Bearbeitung und Verarbeitung
S235JR ist sehr gut schweißbar, gut zerspanbar und gut umformbar — der Allround-Werkstoff für die Bearbeitung. Alle gängigen Schweißverfahren (WIG, MIG/MAG, MMA, Laser) sind möglich, vorwärmen ist in der Regel nicht nötig. Beim Zerspanen sind übliche HSS- oder Hartmetall-Werkzeuge ausreichend, Schnittgeschwindigkeiten 80-150 m/min mit VHM. Tiefziehen, Biegen, Stanzen, Brennen, Lasern und Plasmaschneiden funktionieren problemlos.
Vergleich mit anderen Baustählen
| Werkstoff |
Streckgrenze min. |
Kerbschlag |
Anwendung |
| S235JR / 1.0038 |
235 N/mm² |
27 J bei +20 °C |
Allgemeiner Stahlbau |
| S275JR / 1.0044 |
275 N/mm² |
27 J bei +20 °C |
Höher belastete Konstruktion |
| S355J2 / 1.0577 |
355 N/mm² |
27 J bei -20 °C |
Schwerer Stahlbau, Tieftemp. |
| S460N / 1.8901 |
460 N/mm² |
40 J bei -20 °C |
Hochfeste Konstruktion |
S235JR ist der wirtschaftliche Einstieg. Wenn höhere Festigkeit gebraucht wird, ist S275JR der nächste Schritt; für anspruchsvolle Konstruktionen mit Tieftemperatur-Belastung ist S355J2 der Standard im Maschinen- und Stahlbau.
Normen und Äquivalente
| Norm |
Bezeichnung |
| EN 10025-2 |
S235JR / 1.0038 |
| DIN 17100 (alt) |
St 37-2 |
| Euronorm 25 (alt) |
Fe 360 B |
| ASTM |
A283-C |